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Fakten Checks

Impfungen sind wirksam – Pocken wurden so bereits 1979 ausgerottet

Impfskeptikerinnen und -skeptiker ziehen immer wieder neue Beispiele heran, warum Corona-Impfungen oder Impfungen generell angeblich keinen Nutzen hätten. Es wird unter anderem auf Facebook behauptet (archiviert), Impfungen hätten bereits in der Vergangenheit Krankheiten ausgelöst. Hier wird auf das Beispiel der Impfung gegen Polio (auch Kinderlähmung genannt) eingegangen. Die Polio-Impfung habe nichts mit dem Rückgang der Kinderlähmung zu tun gehabt, heißt es. Aber stimmt das?

Bewertung

Diese Aussagen sind falsch. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die Polio-Fälle seit 1988 weltweit um über 99 Prozent zurückgegangen – wegen der Impfung. Auch andere Impfungen wie etwa die gegen Masern oder Tetanus sind erwiesenermaßen wirkungsvoll. Die Pocken wurden durch eine weltweite Impfkampagne 1979 ausgerottet.

Fakten

Das Video, das am Facebook-Post hängt, zeigt einen Ausschnitt aus der ORF-Dokumentation «Erfolgsgeschichte Impfstoff – der Kampf gegen Infektionskrankheiten» (ab Minute 17:42 zu sehen). Sie liegt der dpa vor. Inhaltlich bezieht sich der Ausschnitt auf die ersten Versuche zur Entwicklung einer Impfung gegen Poliomyelitis (kurz Polio) in den 1930er Jahren. Dabei wurden Kinder durch die ersten unausgereiften Präparate mit dem Virus infiziert, manche starben. Erst im Jahr 1955 entwickelte der US-amerikanische Immunologe Jonas Salk die erste wirksame Impfung gegen Kinderlähmung. Danach kamen weitere Präparate auf den Markt.

«Im Jahr 1988 verabschiedete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Resolution zur weltweiten Ausrottung der Kinderlähmung», schreibt die Organisation auf ihrer Internetseite. Seit 1988 sei die Zahl der Polio-Wildvirusfälle um über 99 Prozent zurückgegangen, heißt es weiter. Zu Beginn der Initiative gab es demnach schätzungsweise rund 350 000 Fälle von Polio-Infektionen in mehr als 125 Ländern pro Jahr. Im Jahr 2019 wurden nur noch 175 Fälle weltweit gemeldet.

Zwei der drei Polio-Wildvirustypen gelten mittlerweile als ausgerottet. Die WHO erklärte die Region Südostasien 2014 für poliofrei, Afrika 2020. Derzeit ist noch der Wildvirustyp 1 in Afghanistan und Pakistan endemisch und es kommt immer mal wieder zu Polio-Ausbrüchen. Das schreibt die WHO in ihrem Papier «Strategie zur Ausrottung der Kinderlähmung 2022-2026».

In dem Facebook-Post wird fälschlicherweise behauptet, der Rückgang der Polio-Erkrankungen habe nichts mit den Impfungen zu tun. Das hat die WHO mit Zahlen widerlegt. Eine mögliche andere Erklärung für den Rückgang liefert der Post nicht.

Außerdem wird dort behauptet, sogenannte Adjuvanzien – in Impfstoffen verwendete Wirkverstärker – seien «toxisch». «Sie werden als Hilfsmittel eingesetzt, um im Körper der geimpften Person die Immunantwort auf Antigene zu verstärken (Wirkverstärker)», schreibt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf seiner Internetseite. Es ist das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinsche Arzneimittel.

Bei einigen Lebendimpfstoffen wie beispielsweise gegen Masern, Mumps und Röteln sei kein Adjuvans erforderlich, heißt es weiter. Das Immunsystem reagiere ausreichend stark auf die abgeschwächte Impfvariante des Erregers. Bei Totimpfstoffen wie beispielsweise gegen Tetanus, Diphtherie oder Polio sei die körpereigene Immunantwort zu schwach, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen. Deswegen werden diesen Wirkverstärker beigefügt. «Adjuvanzien sind daher ein unverzichtbarer Bestandteil in vielen Impfstoffen», so das PEI.

Es gibt Stimmen, die Wirkverstärker wie Aluminium oder Squalen als als kritisch bezeichnen. Das ist in einem Übersichtsdokument des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zu lesen. Doch sowohl die Bedenken zu Aluminium als auch zu Squalen wurden vom PEI mit eigenen Untersuchungen ausgeräumt. Squalen ist ein natürliches Zwischenprodukt des menschlichen Cholesterinstoffwechsels und Bestandteil der Körperzellen.

Als Vorzeige-Erfolg gilt die Ausrottung der Pocken. «1979 konnte zum ersten Mal eine Erkrankung durch ein Impfprogramm als weltweit eradiziert erklärt werden», schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite. In den 1960ern erkrankten noch zwei Millionen Menschen an den Pocken, von denen etwa 30 Prozent starben. Doch mit einer intensiven Impfkampagne konnte der Erreger ausgerottet werden.

Die angeführten Beispiele zeigen, dass Impfungen einen hohen individuellen, aber auch gesellschaftlichen Nutzen haben.

(Stand: 27.01.2022)

Links

Facebook-Post (archiviert)

Information zur ORF-Dokumentation (archiviert)

Erste Versuche von Polio-Impfung (archiviert)

Institut über die Impfung von Jonas Salk (archiviert)

WHO zu Impfkampagne gegen Polio (archiviert)

WHO zu Polio-Wildtypen (archiviert)

Paul-Ehrlich-Institut zu Wirkverstärkern (archiviert)

Dokument des Bundestages zu Wirkverstärkern (archiviert)

PEI zu Aluminium in Impfstoffen (archiviert)

PEI zu Squalen (archiviert)

RKI zur Ausrottung der Pocken (archiviert)


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