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Inflation in vielen Ländern höher als in Österreich und Deutschland

by Jessika McGyver
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Neben dem Krieg in der Ukraine sind die hohen Lebenserhaltungskosten und die andauernde Corona-Pandemie aktuell die bestimmenden Themen in Sozialen Medien. Oftmals verbreiten sich in dem Kontext auch falsche Informationen. In einem Facebook-Posting (hier archiviert) heißt es nun unter anderem, dass in keinem Land der Welt die Kosten «so an die Decke» gehen würden wie in Österreich und Deutschland. Zudem seien bis auf eine Partei alle für die Corona-Impfpflicht, obwohl mittlerweile jeder wisse, wie gefährlich diese sei.

Bewertung

Mehrere Behauptungen sind falsch. So liegt die Inflation in einigen Ländern Europas und der Welt höher als in Österreich und Deutschland. Die Impfpflicht wurde von der österreichischen Regierung im März 2022 vorerst ausgesetzt. Die Corona-Impfung wurde vor ihrer Zulassung umfassend auf Sicherheit und Wirksamkeit untersucht und wird weiterhin überwacht.

Fakten

Inflation oder auch Teuerung bedeutet, dass die Preise von Waren und Dienstleistungen allgemein steigen, informiert die Europäische Zentralbank. Zur Bestimmung der Rate werden jene Waren und Dienstleistungen berücksichtigt, die im Alltag verwendet werden, wie etwa die im Facebook-Posting angeführten Beispiele Öl, Gas, Strom, Miete und Lebensmittel.

Nach Angaben der Statistik Austria stieg die Inflationsrate in Österreich im März im Jahresvergleich auf 6,8 Prozent. Die Preise für Treibstoffe verteuerten sich um 50,7 Prozent. Wohnung, Wasser und Energie kosteten durchschnittlich um 9,7 Prozent mehr. Auch die Gaspreise legten um 71,9 Prozent und die Strompreise um 16,5 Prozent zu, berichtete die APA. Im April kletterte die Inflationsrate laut Schnellschätzung der Statistik Austria auf 7,2 Prozent.

In Deutschland stieg die Inflation im März im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 7,3 Prozent und im April laut vorläufigem Ergebnis auf 7,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Die beiden Länder haben aber nicht wie fälschlicherweise im Facebook-Posting behauptet die höchste Inflation weltweit, wie alleine ein Blick auf die Entwicklung in Europa zeigt.

Der Verbraucherpreisindex (VPI) gibt die Inflationsrate in Österreich an. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ermöglicht die vergleichbare Messung der Inflation in Europa.

Die nach europäischer Methode errechneten Verbraucherpreise (HVPI) stiegen im März im Euroraum im Jahresvergleich um 7,4 Prozent, wie etwa die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) mit Bezug auf die EU-Statistikbehörde Eurostat mitteilt. In der gesamten EU betrug der Wert 7,8 Prozent. Den höchsten Wert hatte Litauen mit 15,6 Prozent, gefolgt von Estland und Tschechien. Im April betrug die Inflation in der Eurozone 7,5 Prozent, ergaben erste Eurostat-Berechnungen laut APA. Also auch hier ist bereits die Durchschnittsrate höher als jene in Österreich und Deutschland.

Ende Jänner 2022 wurde die Impfpflicht in Österreich mit großer Mehrheit im Nationalrat beschlossen. 137 Mandatare stimmten dafür und nur 33 dagegen, berichtete die APA. Die Koalition (ÖVP und Grüne) stimmte geschlossen zu, bei SPÖ und NEOS gab es vereinzelte Nein-Stimmen, die FPÖ stimmte dagegen.

Allerdings wurde die Impfpflicht mittlerweile vorerst ausgesetzt. Das entschied die türkis-grüne Regierung am 9. März im Ministerrat, wie die APA berichtete. Begründet wurde das mit der fehlenden Verhältnismäßigkeit aufgrund der vorherrschenden Omikron-Variante. Zu einem späteren Zeitpunkt kann die Impfpflicht aber noch wirksam werden, heißt es.

Dass die Corona-Impfung sicher ist, wurde von zahlreichen Expertinnen und Experten betont. Alle in der EU verwendeten Impfstoffe wurden vor ihrer Zulassung umfassend überprüft und werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) weiterhin überwacht.

In Österreich sammelt das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) alle Meldungen von vermuteten Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen. Der Großteil dieser Meldungen betreffe «zu erwartende Impfreaktionen wie sie in den klinischen Studien der Zulassungsverfahren der Impfstoffe beschrieben wurden», steht etwa im aktuellen Bericht. Das Gesundheitsministerium räumt zudem auf seiner Webseite mit gängigen Gerüchten rund um die Impfung auf.

(Stand: 06.05.2022)

® 2022 nwna.de Mit Quellen von dpa-Fakten Check Team.