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Thüringen hofft auf Hilfe von Russisch-Lehrern im Ruhestand

Erfurt (dpa/th) – Bei der Integration von ukrainischen Flüchtlingen in die Schulen hofft Thüringen auch auf die Unterstützung durch frühere Russisch-Lehrer im Ruhestand. “Es geht darum, Kommunikation zu ermöglichen und beispielsweise die Lehrkräfte im Unterricht zu unterstützen”, sagte der Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums, Felix Knothe, auf Anfrage. Denkbar sei auch, dass solche ehemaligen Lehrkräfte im Rahmen des Ganztagsangebotes aktiv werden – und zum Beispiel Kurse oder Arbeitsgemeinschaften anbieten könnten.

Russisch war zu DDR-Zeiten ein Pflichtfach in der Schule. In der Ukraine haben sehr viele Menschen auch heute noch Russisch-Kenntnisse und sprechen diese Sprache teils auch im Alltag.

Knothe machte klar, dass nicht nur ehemalige Russisch-Lehrer für eine Rückkehr an die Schulen angesprochen werden sollen, sondern auch Lehrer anderer Fachbereiche im Ruhestand. “Wir hoffen, ehemalige Lehrerinnen und Lehrer noch einmal für eine bestimmte Zeit an die Schulen holen zu können.”

Thüringen verfolgt bei der Eingliederung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen einen teilintegrativen Ansatz. Bedeutet: Anders als beispielsweise in Nordrhein-Westfalen werden im Freistaat keine Willkommensklassen gebildet, die nur aus Flüchtlingskindern bestehen.

Stattdessen sollen alle ukrainischen Flüchtlinge von Anfang an auch in Klassen mit ihren deutschen Mitschülerinnen und Mitschülern lernen. Daneben soll es aber noch Deutsch-Intensivkurse geben, in denen die ukrainischen Schüler dann Sprachkenntnisse erwerben.

Knothe sagte, es gebe Fächer, in denen der Unterricht auch gut funktioniere, wenn nicht alle Schüler über Deutschkenntnisse verfügten – etwa Kunst, Musik oder Sport. “Trotzdem ist es für diese Schüler natürlich eine große Herausforderung.” Jeder ehemalige Lehrer könne mithelfen, auch jene, die keine Russisch-Sprachkenntnisse hätten.

Nach Ansicht von Thüringens Integrationsbeauftragten Mirjam Kruppa ist es wichtig, dass die vor dem Krieg geflohenen Kinder und Jugendlichen schnell eine Tagesstruktur bekommen. Dafür seien Schulen, aber auch Kindergärten sehr wichtig.

“Wenn die Zahlen, die vorhergesagt sind, auch wirklich hier ankommen, brauchen wir sehr viele helfende Hände”, sagte Kruppa. Jeder könne sich einbringen. “Das sind sicher auch ehemalige Lehrkräfte.”

Unter den ukrainischen Flüchtlingen seien möglicherweise auch Lehrerinnen und Lehrer, die man gegebenenfalls mit einbeziehen könne. Sie halte nichts von Parallelstrukturen, also dass die ukrainischen Schüler dann nur noch von Lehrkräften aus ihrem Heimatland unterrichtet werden. “Aber es gibt sicher Möglichkeiten, das mit zu nutzen.”

Knothe sagte, an ukrainischen Schulen sei teils auch Deutsch unterrichtet worden, Englisch sei auch weit verbreitet. “Insgesamt gehen wir davon aus, dass die Sprachbarrieren etwas geringer sind als bei anderen Geflüchteten etwa aus arabischen Ländern.”

Thüringen leidet – unabhängig von dem zu erwartenden Flüchtlingszustrom – schon seit Jahren unter akutem Lehrermangel. Um die Not etwas abzumildern, hatte das Land das Programm “Grau macht schlau” gestartet, das sich an Lehrer im Ruhestand richtet – in der Hoffnung, sie für einige Zeit zurück an die Schulen holen zu können.

© dpa-infocom, dpa:220309-99-447711/3


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