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Pandemie und Ernteausfälle – Krise in Sri Lanka hat viele Ursachen

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Hunderttausende Einwohner Sri Lankas protestieren gegen ihre Regierung, weil diese nicht mehr Herr der Lage ist. Der Inselstaat südlich von Indien mit seinen etwa 22 Millionen Einwohnern erlebt im Sommer 2022 die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten – die angeblich «durch westliche Sanktionen gegen Russland ausgelöst» wurden. (archiviert)

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Die Krise in Sri Lanka nahm lange vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine ihren Anfang. Mehrere Entwicklungen haben zur jetzigen Situation geführt – zum Beispiel ein Düngemittelgesetz und der coronabedingte Einbruch in der Tourismusbranche.

Fakten

Die schwere Wirtschaftskrise in Sri Lanka führt seit mehreren Monaten zu Unruhen im ganzen Land. Hunderttausende demonstrieren, Protestler hatten Anfang Juli sogar den Amtssitz von Präsident Gotabaya Rajapaksa in der Hauptstadt Colombo gestürmt und mehrere Tage lang besetzt gehalten.

Die russische Invasion in die Ukraine hat zwar die Krise verschärft, denn beide Länder sind wichtige Märkte für Sri Lankas Einkommensquellen Tee und Tourismus. Dennoch wurde die Krise nicht vom Krieg ausgelöst, sondern dauert schon länger an.

Sri Lanka ist hoch verschuldet und benötigt gleichzeitig Geld, um Treibstoff, Gas und Lebensmittel zu importieren, an denen es mangelt und die immer teurer werden. Schon im Januar 2022 schrieb die «Neue Zürcher Zeitung», dass dem Land kaum noch ausländische Währungen besitze, um seine Gläubiger zu bezahlen. Weil es seine Auslandsschulden in Höhe von 51 Milliarden Dollar nicht bezahlen kann, verhandelt Sri Lanka derzeit mit dem Internationalen Währungsfonds über ein Hilfspaket.

Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte dem Deutschlandfunk, die prekäre ökonomische Lage des Landes sei über einen längeren Zeitraum entstanden. Die Krise und der Ressourcenmangel und die Verschuldung haben mehrere Ursachen:

  • Wegen der Corona-Pandemie ist der Tourismus eingebrochen.
  • Das seit 2021 geltende Verbot, Düngemitteln zu importieren, hat dem Agrarsektor stark geschadet.
  • Wegen Steuersenkungen hat der Staat weniger eingenommen.

(Stand: 15.7.2022)

Der Faktencheck wurde am 28. Juli 2022 mit einem deutschen Link inklusive Video aktualisiert.