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Munitionsbelastung bei Bränden Problem: Förster kritisiert

by nwna_de


Berlin & Brandenburg

Munitionsbelastung bei Bränden Problem: Förster kritisiert

Das Löschen von Bränden auf Wald- und Heidegebiet kann für die Einsatzkräfte in Brandenburg lebensgefährlich werden. Oft lodern die Feuer auf munitionsbelasteten Flächen. Das Löschen geht dann nur von außen und aus der Luft. Ein Revierförster kritisiert das Land.

Lieberose (dpa/bb) – Die Einsatzkräfte in den Waldbrandgebieten Brandenburgs kämpfen nicht nur gegen die Flammen, sondern auch gegen ein altes Problem: Das Land weist den höchsten Anteil an kampfmittelbelasteten Gebieten in Deutschland auf.

Wie die Kyritz-Ruppiner Heide im Norden ist auch die Lieberoser Heide im Süden munitionsbelastet. Die Fläche ist ein früherer Truppenübungsplatz, der im Zweiten Weltkrieg und später von der sowjetischen Armee genutzt wurde. Dort brennt es häufig. Zuletzt loderte Anfang Juli dieses Jahres ein Feuer auf 90 Hektar – eine Fläche von etwa 125 Fußballfeldern. Revierförster Romeo Buder kennt das Gebiet seit vielen Jahrzehnten. “Bei richtiger Hitze gehen auch Granaten hoch”, erzählt der ehrenamtliche Bürgermeister von Byhleguhre-Byhlen im Spreewald der Deutschen Presse-Agentur. Allein 2019 sei das dreimal passiert, Verletzte habe es nicht gegeben.

Buder kritisiert die Landesregierung für die sich hinschleppende Räumung der munitionsbelasteten Flächen. “Das Problem seit Jahren ist, dass das Land in der Pflicht wäre, diese Flächen in der Beräumung zu finanzieren über alle Eigentümer.” Brandenburg habe diese Flächen nach dem Mauerfall als sogenanntes Kohl-Geschenk bekommen. Darunter seien über 120.000 Hektar Wald gewesen. Damit seien “viele Millionen” in die Kassen des Landes geflossen, auch durch Holzverkäufe, merkt er an. Das Land sei nun verpflichtet, die Kampfmittelbelastung zu minimieren. “Wir werden diese Forderung auch als Gemeinde noch einmal in den Raum werfen, weil wir mit dem Zustand nicht zufrieden sein können”, so der Lieberoser Revierförster

Buder zählt auf, wie der ehemalige Übungsplatz in der Lieberoser Heide genutzt wurde: Panzer in Bataillonsstärke, Infanterie, Artillerie, Raketentruppen, Hubschrauber und Flugzeuge. Auch Manöver seien abgehalten worden, erzählt er. In Spitzenzeiten sollen bis zu 50.000 Mann auf der Fläche gewesen sein. Gefunden wurden bereits Artillerie- und Panzergranaten sowie Infanterie-Geschosse.

Bis in fünf Meter Tiefe sind dem Revierförster zufolge bislang in der Lieberoser Heide wenige Flächen beräumt, bis zu zwei Meter tief seien vor allem auf den Flächen des Landes 40 Prozent durch die Kampfmittelräumer abgesucht worden. “Wir als Gemeinde oder auch die Landkreise finanzieren die Brandbekämpfung, das Land kommt erst im Katastrophenfall”, erklärt Buder. Das könne nicht sein.

Rund zwölf Prozent der Gesamtfläche Brandenburgs gelten nach Angaben des Landes derzeit noch als belastet. Experten der Kampfmittelbeseitigung vernichten jedes Jahr hunderte Tonnen Bomben, Granaten und Munition. 2021 waren es 328 Tonnen Kampfmittel.

Nach Worten des Vorsitzenden des Landesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Gregor Beyer fehlt es wie in vielen Branchen auch beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes an Nachwuchskräften. “Nach der Wende hatten wir dieses Personal noch aus ehemaligen Soldaten der NVA, da waren ausgebildete Personen da”, schätzte er ein. Mittlerweile sei der Beruf teilweise nicht mehr attraktiv.