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Klimawandel menschengemacht – Sonnenstrahlung spielt kaum eine Rolle

by Jessika McGyver
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Der Klimawandel ist menschengemacht, daran lässt die internationale Forschung längst keinen Zweifel mehr. Wissenschaftsleugner versuchen aber noch immer, offenkundige Erkenntnisse in Frage zu stellen. So heißt es derzeit auf Facebook (archiviert), das Erdklima werde «von drei natürlichen Zyklen dominiert». Das entlarve den «menschengemachten Klimawandel einmal mehr als reinsten Klimaschwindel». Der im Post verlinkte Artikel (archiviert) nimmt Bezug auf einen Text, der im März 2022 im Magazin FUSION erschien.

Die Autoren behaupten dort, es gebe drei Zyklen des Erdklimas von unterschiedlicher Dauer (1000 Jahre, 460 Jahre, 190 Jahre). Mitunter könnten die Maximaltemperaturen dieser Zyklen aufeinandertreffen, dann steige die Erdtemperatur besonders stark. Fazit: Die globale Erderwärmung folge der Sonnenaktivität. Aber kann die derzeit steigende Temperatur auf unserem Planeten tatsächlich mit der Sonnenstrahlung begründet werden?

Bewertung

Sonnenzyklen spielen beim Klimawandel höchstens eine Nebenrolle, Hauptursache ist die zunehmende CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Das Narrativ, die Sonne sei angeblich Treiber der Erderwärmung, wird aber von Leugnern der Klimakatastrophe immer wieder verwendet. 2020 veröffentlichte dpa bereits einen Faktencheck dazu.

Fakten

2017 erläuterte die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in einem Artikel, dass die Strahlungsleistung der Sonne tatsächlich in einem etwa elfjährigen Zyklus schwankt. «Im Mittel liegen diese Schwankungen bei 0,1 Prozent», heißt es. In aktiven Phasen der Sonne – diese erkennt man an dunklen Flecken oder hellen Fackeln auf dem großen Feuerball – wird eine intensivere Strahlung produziert als während der Ruhephasen.

Die Sonne könne erst seit etwa 400 Jahren durch ein Teleskop beobachtet werden, sagt Sami Solanki vom Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung der dpa. Innerhalb dieses relativ kurzen Zeitraums ließen sich aber keine theoretischen Vorhersagen für derart lange Zyklen wie die oben genannten treffen. Wolle man dies versuchen, so müsse man die Konzentration des Isotops Beryllium 10 in Schnee und Eis analysieren. Darauf beziehen sich die Autoren des FUSION-Artikels. Das radioaktive Isotop des Elements Beryllium wird gebildet, wenn geladene Teilchen durch den Sonnenwind auf die Erde treffen.

Das Vorkommen dieses Isotops hängt von der Sonneneinstrahlung ab, wie Solanki erläutert. «Nachdem das Isotop produziert ist, verweilt es in der Erdatmosphäre. Wie viel davon dann in Schnee oder Eis landet, hängt von den Wetterbedingungen, also dem Klima, ab. Es ist somit völlig offen, ob längere erkennbare Perioden in Beryllium 10 von der Sonne oder vom Klima herrühren.»

In den vergangenen 30 bis 40 Jahren jedenfalls habe es definitiv keine Zunahme der Sonnenhelligkeit gegeben, so der Experte. Das deckt sich mit Daten der US-Weltraumbehörde Nasa. Während die Temperatur seit Mitte des 20. Jahrhunderts ständig gestiegen ist, hat sich die Intensität der Sonnenstrahlung kaum verändert.

Die Konzentration von Kohlendioxid aber hat seit Beginn der Industrialisierung extrem zugenommen, wie Ergebnisse der World Meteorological Organisation (WMO) zeigen. Kaum ein Forscher zweifelt noch daran, dass die Erderwärmung vor allem durch die zunehmende CO2-Konzentration verursacht wird. Denn Treibhausgase wie CO2, Methan (CH4) und Lachgas (N2O) führen dazu, dass die vom Boden abgegebene Wärmestrahlung aufgehalten wird und nicht ins Weltall entweicht. Somit kann die Sonne nicht als Grund für die globale Erderwärmung herangezogen werden.

«Ginge die Erwärmung auf eine aktivere Sonne zurück, würden Forscher wärmere Temperaturen in allen Schichten der Atmosphäre erwarten», heißt es bei der Nasa. «Stattdessen haben sie eine Abkühlung in der oberen Atmosphäre und eine Erwärmung in den tieferen Schichten festgestellt. Ursache ist, dass Treibhausgase die Hitze in der unteren Atmosphäre festhalten.»

Die Max-Planck-Gesellschaft schreibt: «In der Tat lässt sich der Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte in Modellrechnungen nicht reproduzieren, wenn man nur den Einfluss der Sonne oder anderer natürlicher Quellen (etwa Vulkanausbrüche) berücksichtigt. Erst wenn man in den Klimadaten anthropogene, also menschengemachte Faktoren einbringt, stimmen sie mit den Beobachtungs- und Messdaten überein.»

Und auch die Helmholtz-Klima-Initiative kommt zu dem Schluss, dass Sonnenzyklen nicht als Hauptverantwortliche für die Erderwärmung benannt werden können – «und schon gar nicht würde ein solcher Zyklus den heutigen menschlichen Einfluss auf das Klima widerlegen». Dass die Erderwärmung durch die menschengemachte Emission von Treibhausgasen verursacht wird, ist wissenschaftlich erwiesen. Auch hierzu veröffentliche dpa bereits mehrere Faktenchecks (hier oder hier).

(Stand: 05.05.2022)

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