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Keine Begriffs-Verbote: EU-Richtlinie setzt sich für inklusive Sprache ein

Zwei Personen, die in jedem Krippenspiel zur biblischen Weihnachtsgeschichte vorkommen, sind: Maria, die heilige Mutter Gottes, und Josef, der irdische Ziehvater von Jesus Christus. Facebook-Posts zufolge soll die Europäische Union (EU) das Wort «Weihnachten» nun verbieten wollen, «um niemanden zu diskrimieren» (sic!), heißt es. Auch von einer angeblich «Sprachrichtlinie» ist in manchen Posts die Rede. Außerdem wird behauptet, Maria und Josef sollten nach Vorstellung der EU nun «Malika und Julio» heißen (archiviert). Was stimmt?

Bewertung

Es fehlt wichtiger Kontext: Der Leitfaden der EU für inklusive Kommunikation richtet sich an die EU-Kommission selbst – nicht an die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union. Er enthält keine Begriffs-Verbote. Das Ziel ist es, bei Formulierungen etwa auf EU-Webseiten unter anderem verschiedene religiöse Traditionen zu berücksichtigen. Nach Kritik an bestimmten Empfehlungen soll der Leitfaden zudem überarbeitet werden.

Fakten

Die EU-Kommissarin für Gleichberechtigung, Helena Dalli, hat am 26. Oktober 2021 Richtlinien vorgelegt, wie die EU-Kommission inklusiv kommunizieren und auftreten soll. Das Ziel laut Vorwort: Sicher zu stellen, dass jeder im Material der EU-Kommission wertgeschätzt und anerkannt wird, unabhängig von etwa seinem Geschlecht, ethnischer Herkunft, Religion, Glaube oder Behinderung.

Es geht dabei zum Beispiel um gendersensible Sprache oder die inklusive Gestaltung von Webseiten der EU für Menschen mit Behinderungen. Die Vorgaben richten sich nicht an die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, sondern an die politische Institution EU. Das Wort «Verbot» taucht in den gesamten Richtlinien nicht auf.

«Seien Sie sensibel bezüglich des Fakts, dass Menschen unterschiedliche religiöse Traditionen und Kalender haben», heißt es im Abschnitt über Kulturen, Lebensstile und Glauben. «Vermeiden Sie es anzunehmen, dass jeder Christ sei». Anstatt zu sagen, die Weihnachtszeit sei sehr stressig, könne formuliert werden: «Die Ferien sind sehr stressig…» oder «die Ferien sind sehr stressig für diejenigen, die Weihnachten oder Hanukkah feiern».

Außerdem wird vorgeschlagen, bei von der Kommission präsentierten Beispielen oder Geschichten nicht nur Namen auszuwählen, die typisch für nur eine einzige Religion sind. Darum der Vorschlag, «Maria und Josef» zu vermeiden; die Alternative: «Malika und Julio sind ein internationales Paar».

Zusammengefasst: Es heißt an keiner Stelle, die Begriffe «Weihnachten» oder «Maria und Josef» sollten verboten werden.

Wegen Kritik am Abschnitt über Religionen erklärte EU-Kommissarin Dalli Ende November 2021, dass die Richtlinien überarbeitet würden. Sie seien von Beginn «in Arbeit» («work in progress») gewesen.

(Stand: 08.12.2021)

Links

Post (archiviert)

Tweet von EU-Kommissarin (archiviert)

Weiterer Tweet zur Überarbeitung der Richtlinien (archiviert)

Richtlinien (archiviert)

Artikel über die Richtlinien (archiviert)

Faktencheck von “katholisch.de” zur Kritik an den Richtlinien (archiviert)


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