Home Fakten Checks Hitze auch schon früher rot: Wetterkarten nicht vergleichbar

Hitze auch schon früher rot: Wetterkarten nicht vergleichbar

by Jessika McGyver
hitze-auch-schon-frueher-rot-wetterkarten-nicht-vergleichbar-2

Über das Wetter lässt sich immer reden – und offenbar auch streiten: Regelmäßig kursieren im Internet Grafiken, die einen angeblichen Trend bei Wetterberichten zeigen. Demnach sollen Medien früher auf ihren Wetterkarten hohe Temperaturen in deutlich neutraleren Farben präsentiert haben, heute dagegen in bedrohlichem rot. Als vermeintlicher Beleg werden in den sozialen Netzwerken (archiviert) Standbilder aus verschiedenen Wetter-Sendungen zwischen 2009 und 2021 gezeigt.

Bewertung

Die Karten zeigen unterschiedliche Vorhersage-Typen und verschiedene Medien – sie lassen sich daher nicht vergleichen. Damit eignen sie sich nicht als Beleg dafür, dass Wetterkarten im Laufe der Jahre immer dramatischer eingefärbt worden sind. Eines der Bilder ist zudem manipuliert worden.

Fakten

Das auf Facebook ganz unten gezeigte Bild zeigt eine Wettervorhersage des Senders RTL und dessen Portal «Wetter.de». Allerdings ist es manipuliert worden: Im Originalfoto, das bereits im Jahr 2019 auf Twitter kursierte, ist im Hintergrund statt der glühenden Sonnenoberfläche ein Sonnenuntergang am Meer zu sehen. Auch die Farben der Grafiken sowie die Hautfarbe des Moderators sind im Original nicht ganz so dunkelrot wie in der bearbeiteten Version.

Das manipulierte Bild lässt sich auf Webseiten und sozialen Netzwerken bis in den Juli 2020 zurückverfolgen. Die eigentliche RTL-Wettervorhersage stammt aber vermutlich – anders als in der Facebook-Grafik behauptet – aus dem August 2019. Rund um das Datum, an dem damals der entsprechende Tweet veröffentlicht wurde, herrschte in Deutschland das dazu passende hochsommerliche Wetter.

RTL verwendet generell eine andere Darstellung für seine Wetterkarten als etwa die ARD. Der Sender zeigte 2019 bei allgemeinen Vorhersagen für mehrere Tage hinter Sonnen- und Wolkensymbolen Farbtöne, die den Temperaturen entsprechen.

Das dritte Bild von oben stammt aus einem Video des «Weather Channel» aus dem Juni 2020, als eine Hitzewelle bevorstand. Das auf Wetternachrichten spezialisierte amerikanische Medium hat es auf Youtube veröffentlicht. Der «Weather Channel» verwendet eine andere Farbskala für die Temperaturkarte als die ARD. Die Abstufungen sind links in der Legende zu erkennen.

Kurz nach der Veröffentlichung des Videos erklärte Moderator Jan Schenk in einem Interview (im Video ab Minute 35:30) den Zweck der roten Farbe: Demnach wird sie von seinem Medium ab 30 Grad vor allem zur Warnung vor hohen Temperaturen benutzt: «Die Hitzewellen sind mit das Gefährlichste was wir haben. Gerade für Leute, die mit dem Kreislauf Probleme haben. Und deswegen machen wir das, deswegen färben wir das auch ein.»

Die obersten beiden Grafiken stammen von der ARD. Die erste ist eine allgemeine Wettervorhersage für einen der darauffolgenden Tage. Neben den Temperaturen wird hier auch angezeigt, ob etwa der Himmel bedeckt ist – deshalb sind Wolken und die Sonne zu sehen.

Der Hintergrund ist grün und bräunlich. Es handelt sich um eine physische Karte, bei der mit der jeweiligen Einfärbung die Höhe über dem Meeresspiegel angegeben wird. Mittlerweile hat die ARD die Farbgebung solcher Wetterkarten geändert und verwendet als Hintergrund nur noch Grüntöne.

Die Karte in der Mitte – ebenfalls von der ARD – zeigt hingegen nicht, ob es bewölkt ist oder die Sonne scheint, sondern allein die Temperaturen für einen bestimmten Tag. Bereits im Sommer 1999 wurden in solchen Karten in der «Tagesschau» (im Video ab Minute 15:54) Temperaturen von weniger als 30 Grad in Rottönen angezeigt.

Die Farbskalen für die Untermalung der Temperaturen werden in regelmäßigen Abständen je nach Jahreszeit und Temperaturen angepasst, erklärte Silke Hansen, Leiterin des ARD-Wetterkompetenzzentrums, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. «Wir versuchen die Temperaturen so zu färben, wie man es um die jeweilige Jahreszeit erwartet», wie Hansen erklärte.

Im Sommer etwa seien 15 Grad Celsius eher kühl und würden dementsprechend in kühleren Farben dargestellt. Im Januar seien 15 Grad Celsius hingegen eher mild und würden mit wärmeren Farben präsentiert. «Wir haben nichts geändert, das machen wir seit mehr als 20 Jahren so», sagte sie. Die erhobenen Vorwürfe der Beeinflussung gibt es in den sozialen Netzwerken immer wieder.

(Stand: 23.5.2022)

® 2022 nwna.de Mit Quellen von dpa-Fakten Check Team.