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Fake über Modemagazin – Foto von Hitler und Braun nicht in «Vogue»

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Immer wieder versuchen Anhänger des russischen Präsidenten Wladimir Putin den Angriffskrieg seines Landes auf die Ukraine mit einem vermeintlichen Kampf gegen Nazis zu rechtfertigen. Eine virale Fotocollage in den sozialen Medien (archiviert) suggeriert nun erneut eine Nähe zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem Dritten Reich: Mit Blick auf die Fotografien des Ehepaars Selenskyj jüngst in der «Vogue» wird behauptet, das Modemagazin habe 1939 auch Adolf Hitler und seine Geliebte Eva Braun abgebildet. Doch Letzteres stimmt nicht.

Bewertung

Teilweise falsch. Während das Selenskyj-Ehepaar im Juli tatsächlich in der «Vogue» war, ist die Aufnahme von Hitler und Braun nicht im Magazin erschienen. Das bestätigt der Verlag. Zudem scheint das Bild bereits vor Jahren manipuliert und eine dritte Person retuschiert worden zu sein.

Fakten

Die in sozialen Medien verbreitete Fotocollage besteht aus zwei Teilen: Auf dem Bild mit dem Textzusatz «Vogue 2022» sitzen der ukrainische Präsident Selenskyj und seine Ehefrau Olena Selenska dicht zusammen. Daneben ist ein Foto von Adolf Hitler und seiner damaligen Geliebten und späteren Ehefrau Eva Braun mit dem Hinweis «Vogue 1939» zu sehen.

Der Beitrag wurde von pro-russischen Accounts geteilt, etwa mit den Worten: «Wenn sie von europäischen Werten sprechen, meinen sie damit Werte, wie auf diesen Fotos?» Der ukrainische Präsident soll in einen vermeintlichen Zusammenhang mit dem NS-Führer gebracht werden. Auch auf Tiktok wurde das Bild verbreitet, auf Telegram ist ein entsprechender Beitrag sehr viral.

Im Gegensatz zu dem Bild von Hitler, ist das Foto von Selenskyj und seiner Ehefrau wirklich in der «Vogue» veröffentlicht worden. Es erschien im Juli 2022 im Rahmen einer digitalen Covergeschichte mit dem Titel «Olena Selenska, First Lady der Ukraine: Ein Portrait des Mutes». Der Beitrag handelt von Selenskas diplomatischer Rolle im Angriffskrieg Russlands und soll laut der Redaktion im Oktober auch in gedruckter Version erscheinen.

Das andere Foto zeigt Hitler und Braun auf dem Berghof in Obersalzberg im Berchtesgadener Land. In der «Vogue» erschien es jedoch nie, wie eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Welle bestätigte. Es habe weder ein solches Cover gegeben noch seien entsprechende Aufnahmen im Heft abgedruckt worden. Das verrät ein auch ein Blick ins Archiv der Zeitschrift.

Eine Foto-Rückwärtssuche der Berghof-Szene im Netz führt unter anderem zu einer Aufnahme des Foto-Anbieters Alamy. Darauf stehen Hitler und Braun allerdings gar nicht nebeneinander – und zu zweit sind sie auch nicht: Zwischen ihnen lehnt nach Alamy-Angaben Hannelore Morell an der Mauer, die Ehefrau von Hitlers Leibarzt.

Eine Version, auf der Hitler direkt neben Braun an einer Mauer steht, ist mindestens seit 2012 im Netz zu finden – und scheinbar manipuliert worden. Es hat den starken Anschein, dass Braun näher an Hitler geschnitten wurde und daher an jener Stelle an der Mauer steht, an der sich im Original eigentlich Morell befindet. Dafür gibt es mehrere Indizien: Nicht nur der Blick, sondern auch Brauns Kopf- und Körperhaltung sind in beiden Versionen exakt identisch. Auch die einzelnen Falten ihres Kleides, die sich bei einer Standortveränderung zumindest minimal neu gelegt haben müssten, entsprechen ebenfalls haargenau denen auf dem Foto mit Morell.

Auch die Umstände der Beziehung Hitlers zu Braun sind ein weiteres Indiz, dass das Foto damals so nicht veröffentlicht wurde: Über die Liebesbeziehung sollte nichts nach außen dringen, wie Braun-Biografin Heike Görtemaker schreibt. Die Existenz der Geliebten sei «bis zur letzten Stunde des „Dritten Reiches“ geheim gehalten» worden, heißt es in ihrem Buch «Eva Braun. Leben mit Hitler». Für ein Medium wie die «Vogue» hätte Hitler sehr sicher nicht bewusst zu zweit posiert.

Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte die «Vogue» allerdings im August 1936 einen zweiseitigen Artikel, in dem auch Hitler eine Rolle spielte. Abgebildet waren aber weder er noch Eva Braun. Im Text ging es um die Innenausstattung der Häuser Hitlers, des italienischen Faschistenführers Benito Mussolini und des britischen Außenministers Anthony Eden.

(Stand: 17.08.2022)

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