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CO2-Werte unter OP-Masken sind ungefährlich

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Seit mehr als zwei Jahren ist die Mund-Nase-Bedeckung zum täglichen Begleiter geworden. Im Internet kursiert jedoch immer wieder die Behauptung (archiviert), durch das Tragen von Masken drohe eine Kohlendioxidvergiftung. Der Grund: Frische Luft gelange schlechter in die Atemwege. Kann das stimmen?

Bewertung

Medizinische Mund-Nase-Bedeckungen sind so konzipiert, dass Frischluft ohne viel Anstrengung eingeatmet werden kann. Unter der Maske ist zudem nur wenig Raum für Luft, so dass sich dort kaum CO2 ansammeln kann. Masken sind also ungefährlich.

Fakten

Eine Illustration im Netz listet einige Symptome auf: Ohnmacht, Kurzatmigkeit, Schwitzen oder Kopfschmerzen. Laut Posting deutet das auf eine Kohlendioxidvergiftung hin, die durch die Verwendung von medizinischen Mund-Nase-Bedeckungen angeblich drohe. Grundsätzlich sind die genannten Symptome laut Medizin-Websites oder dem Portal der Mediengruppe Deutscher Apotheker Verlag tatsächlich typisch für eine Kohlendioxidvergiftung – eine Maske kann diese jedoch nicht hervorrufen.

Schon 2020 bezog die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung Stellung zur gesundheitlichen Gefährdung durch Kohlendioxid (CO2) beim Tragen von Masken und gab Entwarnung: Bei jedem Atemzug bleibt ein gewisses Luftvolumen in der Lunge und im Nasen-Rachen-Raum. Dieses sogenannte Totraumvolumen umfasst circa 200 ml. Unter der Maske verbleibt ein zusätzliches Volumen von 20 ml, das somit aber vergleichsweise klein ist.

Ein Erwachsener atmet pro Atemzug rund 500 bis 1000 ml Frischluft ein. Daraus «ergibt sich eine etwa 25- bis 50-fache Verdünnung der Luft im Maskentotraum durch die unbelastete Raumluft», heißt es in der Pressemitteilung. Bei Kindern sind die Volumina kleiner, aber auch hier seien keine gesundheitlichen Probleme zu erwarten.

Thomas Wollstein beschäftigt sich als Diplom-Physiker für den Verein Deutscher Ingenieure mit der richtigen Lüftung im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, dass das Gewebe medizinischer Masken recht dünn und für Gase sehr gut durchlässig ist – nicht aber für Partikel, durch die das Virus übertragen wird.

«Gerade hinter einer medizinischen Maske gibt es nur kleine Toträume, in denen Ausatemluft verbleiben und dann rückgeatmet werden könnte», sagt der Experte. Außerdem liege die Maske nicht spaltfrei an, «so dass immer auch eine Bypass-Strömung zwischen Maske und Gesicht auftritt».

Für Wollstein entstehen Probleme beim Tragen einer Maske somit nicht durch die Rückatmung von CO2, sondern eher durch Feuchtigkeit. Eine feuchte Maske erschwert das Atmen, da ein erhöhter Strömungswiderstand besteht.

Wenn zum Beispiel FFP2-Masken dicht sitzen, sei das Risiko eines erhöhten CO2-Wertes wegen des erheblichen Atemwiderstands größer, aber immer noch verschwindend gering. Zu diesem Schluss kommt auch die Deutsche Atemwegsliga. In der Praxis sitzen FFP2-Masken aber teils nicht perfekt, von Müdigkeit oder Kurzatmigkeit Betroffene würden die Maske wohl rechtzeitig abnehmen.

Die Einschätzungen decken sich mit denen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Der Deutschen Presse-Agentur erklärte der Verband schon 2020, dass im Ruhezustand ein Atemzugvolumen von knapp 500 Millilitern bis zu knapp unter einem Liter erreicht werde. Die Luft unter der Maske mache dagegen deutlich weniger als 50 Milliliter aus, so dass sich keine gefährlichen Mengen CO2 sammeln könnten.

In der Vergangenheit diente als Beweis für den angeblichen Sauerstoffmangel eine Messung mit einem CO2-Messgerät, das für die Analyse der Raumluft vorgesehen ist. Die Deutsche Presse-Agentur veröffentliche dazu bereits einen Faktencheck, der erklärt, warum die damit festgestellten Werte keine Aussagekraft besitzen.

Oft wurde auch auf eine Doktorarbeit verwiesen, bei der nach der Benutzung von OP-Masken ein leicht erhöhter CO2-Gehalt im Blut festgestellt wurde. Ein Abfall der Sauerstoffsättigung wurde aber nicht nachgewiesen. Die Verfasserin der Doktorarbeit, Ulrike Butz, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bereits am 4. Mai 2020: «Man kann aus der Arbeit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ableiten. Das wäre unseriös.»

(Stand: 29.09.2022)