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Capsaicin macht Chili scharf, ist aber kein Medikament

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Sind Chilis tatsächlich wirksame Waffen im Kampf gegen den Krebs? Dies wird zumindest in einem Blog-Beitrag behauptet (hier archiviert). Konkret heißt es dort: «In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass die Inhaltsstoffe des Chili wirksam gegen Krebszellen sind, zum Beispiel bei Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.» 

BEWERTUNG: Die Informationen sind ihrem Kontext entrissen und irreführend dargestellt: Capsaicin – ein Inhaltsstoff der Chili – zeigte in einzelnen Tests mit Zellkulturen Wirkung. Ein auf diese Erkenntnisse aufbauendes Krebsmedikament ist noch lange nicht in Sicht. 

FAKTEN: Weltweit fahnden Wissenschaftler permanent nach immer neuen Mitteln und Therapieansätzen gegen verschiedenste Krebsarten. Tatsächlich erprobten sie dabei auch die Wirkung des Chili-Inhaltsstoffes Capsaicin, der für die Schärfe verantwortlich ist, auf Tumorzellen – wie ein Blick in die medizinische Online-Bibliothek «pubmed» offenbart.

Schaut man sich allerdings den Aufsatz, den der Blog-Artikel als Grundlage für seine Thesen anführt, genauer an, zeigt sich: Die Capsaicin-Forschung reicht nicht über einzelne Zellversuche und damit die experimentelle Forschung hinaus. Auch andere Studien (etwa hier und hier) testeten die Substanz bis dato allein an Zellkulturen. Anders als im Blog behauptet, gibt es damit noch keinerlei Belege dafür, dass Capsaicin imstande wäre, eine Krebserkrankung zu bremsen oder gar völlig auszulöschen.  

Susanne Weg-Remers, Medizinerin beim Deutschen Krebsinformationsdienst, erklärt: Anhänger alternativer Heilmethoden argumentierten häufig, ein Mittel, eine Methode sei bereits «erprobt», wenn sie allenfalls Tests an Zellkulturen durchlaufen hätten. «Um als Medikament zugelassen zu werden, müssen Wirkstoffe aber noch vielfältige, weitere Prüfungen an Tiermodellen sowie in gestaffelten klinischen Studien an menschlichen Patienten bestehen», sagte Weg-Remers der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist ein langwieriger Prozess, der um die zehn Jahre dauert. Am Ende erhält meist nur einer von rund 10.000 Wirkstoffen die Zulassung als Krebsmedikament.»

Weg-Remers appelliert darum, von solch irreführenden Meldungen Abstand zu nehmen – weil sie erkrankte Menschen gefährdeten. «Berichte über vermeintliche Wundermittel verleiten Krebserkrankte, sich teils zweifelhaften alternativmedizinischen Verfahren zuzuwenden – und auf wirksame Therapien zu verzichten.»

Die Konsequenzen sind beunruhigend, wie US-Wissenschaftler kürzlich ermittelten. Ihrer Studie folgend, haben Patienten, die auch auf Alternativmedizin setzen, ein viel höheres Risiko, in den ersten fünf Jahren nach der Krebsdiagnose zu sterben. Häufig, weil sie von Ärzten empfohlene Therapien ablehnen. 

Links:

Blog-Beitrag: https://unserenatur.net/scharfe-chilis-gegen-krebs-wirkung-ist-sehr-maechtig/ (archiviert: http://dpaq.de/UCnTZ)

Infos zu Arznei-/Impfstoffkandidaten gegen Krebs: https://www.pharma-fakten.de/news/details/1030-krebs-ueber-1300-medikamente-und-impfstoffe-in-entwicklung/ (archiviert: http://dpaq.de/JkY8J)

Studienübersicht zur Erforschung von Capsaicin als Krebsmedikament: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=capsaicin+cancer (archiviert: http://dpaq.de/dm4mj)

Studie I zu Krebszellbekämpfung durch Capsaicin: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16540674/ (archiviert: http://dpaq.de/CQeEY

Studie II Krebszellbekämpfung durch Capsaicin: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28008282/ (archiviert: http://dpaq.de/Ixp6S)

Studie III zu Krebszellbekämpfung durch Capsaicin: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31782192/ (archiviert: http://dpaq.de/FK2pl)

Infos zu Studien in der medizinischen Forschung: https://www.aerzteblatt.de/archiv/64080/Studientypen-in-der-medizinischen-Forschung (archiviert: http://dpaq.de/6WCMX)

Studie zu Auswirkungen alternativmedizinischer Krebs-Therapien: https://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/fullarticle/2687972 (archiviert: http://dpaq.de/cVyLY)

Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: fa*********@dp*.com

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