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Artikel verbreitet Falschinformationen zu Covid-Impfstoffen über Zitate von mutmaßlichen Pflegekräften

Ein Online-Portal berichtet über eine Protestaktion mutmaßlicher Pflegekräfte, der Artikel wird in diversen Facebook-Posts, etwa hier, aufgegriffen und auch auf Whatsapp geteilt (archiviert). Die zitierten Personen behaupten darin, der Nutzen der Covid-Impfungen sei «gering», das «Nutzen-Risiko-Verhältnis» negativ. Sind diese Behauptungen korrekt? Und wenn nicht, ist das dann für den Artikel sogar egal, weil es sich um Zitate handelt?

Bewertung

Die Zitate der mutmaßlichen Pflegekräfte enthalten Aussagen über die Sicherheit und Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe, die teilweise dem Forschungsstand widersprechen. Das Online-Portal Wochenblick.at macht sich diese Aussagen durch die Art und Weise der Darstellung zu eigen, indem es sie teilweise nicht ausreichend als Zitate kennzeichnet, nicht einordnet, bestimmte Aussagen durch Zwischenüberschriften hervorhebt und insgesamt durch die Autoren keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung mit den Aussagen erfolgt. Ob die zitierten Personen tatsächlich im Gesundheitswesen arbeiten, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Informationen nicht überprüfen.

Fakten

Grundsätzlich dürfen Medien auch Zitate in Artikeln verbreiten, die falsche Tatsachenbehauptungen enthalten. Ansonsten wäre eine Berichterstattung etwa über falsche Aussagen von Politikern kaum möglich. Entscheidend ist, ob sich das Medium in irgendeiner Form von den Aussagen distanziert. Für diese Distanzierung gibt es verschiedene Mittel. Entscheidend ist zuerst, dass die Aussagen durch Anführungsstriche oder den Gebrauch des Konjunktivs als Zitate oder indirekte Rede kenntlich gemacht werden.

Außerdem sollten Falschbehauptungen eingeordnet werden. Möglich ist etwa ein Verweis auf den derzeitigen Forschungsstand oder ein weiteres Zitat einer anderen Person, die die Einordnung vornimmt. In manchen Fällen kann man auch den Hinweis geben, dass etwas nicht überprüft werden kann und nur als Aussage der zitierten Person zu verstehen ist.

Das einzige, was der hier behandelte Artikel auf Wochenblick.at davon erfüllt ist die korrekte Kennzeichnung der Zitate im Fließtext. Allerdings werden in den Zwischentiteln Aussagen wie «Nutzen der Gentechnik-Präparate zu gering» und «Nutzen-Risiko-Verhältnis der Spike-Spritze negativ» wiedergegeben, ohne sie als Zitat zu kennzeichnen.

Eine Einordnung dieser Aussagen findet in keiner Form statt. Weder nennt der Artikel die Bewertungen der für Sicherheit und Wirksamkeit zuständigen Stellen wie des Robert Koch-Instituts (RKI) oder des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), noch nimmt er Bezug auf die zahlreichen wissenschaftliche Studien zur Frage der Wirksamkeit und Sicherheit der Covid-19-Impfstoffe.

Die wesentliche Behauptung, die sich ungekennzeichnet in den Zwischenüberschriften findet und die der Artikel sich zu eigen macht, ist die, dass der Nutzen der Covid-19-Impfungen gering sei, das Risiko hingegen hoch.

Der Schutz gegen Infektionen und insbesondere gegen schwere Verläufe der Krankheit ist aber durch zahlreiche Studien belegt. Aufgrund der Forschungslage schreibt etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: «Die bisher zugelassenen Impfstoffe waren in der klinischen Erprobung sehr wirksam. Die Studiendaten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, an dem Virus zu erkranken, bei den gegen Covid-19 geimpften Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwischen 70 und 95 Prozent geringer war als bei den Placebo-geimpften Teilnehmerinnen und Teilnehmern.»

Dieser Nutzen wird durch eine vom RKI in Auftrag gegebene fortlaufende wissenschaftliche Untersuchung neu erscheinender Studien – eine sogenannte «living systematic review» – ständig weiter untersucht. In die aktuellste daraus resultierende Meta-Studie dazu sind etwa Daten aus 17 wissenschaftlichen Studien eingegangen.

Auch zur Sicherheit der Impfstoffe gibt es zahlreiche Studien, die in die Sicherheitsberichte des in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) einfließen. Auf dieser Grundlage schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: «Impfstoffe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 sind gut wirksam und ihr Nutzen überwiegt bei weitem mögliche Risiken. Dennoch können Nebenwirkungen und in seltenen beziehungsweise sehr seltenen Fällen Impfkomplikationen auftreten.» Welche Komplikationen es gibt und wie häufig sie auftreten steht ebenfalls in den Sicherheitsberichten des PEI.

Auch die amerikanische Seuchenschutzbehörde «Centers for Disease Control and Prevention» (CDC) und die britische Gesundheitsbehörde NHS kommen übereinstimmend zu dem Urteil, die Impfstoffe seien «sicher und effektiv».

(Stand: 20.12.2021)

Links

Facebook-Post (archiviert)

Artikel im «Wochenblick» (archiviert)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Sicherheit und Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe (archiviert)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Risiken und Nebenwirkungen der Covid-19-Impfstoffe (archiviert)

RKI über Ergebnisse der «living systematic review» (archiviert)

Aktuellste Meta-Studie auf Grundlage des «living systematic review» (archiviert)

Aktuellster Sicherheitsbericht des PEI vom 26.10.2021 (archiviert)

CDC über Sicherheit und Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe (archiviert)

NHS über Sicherheit und Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe (archiviert)


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