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Angebliche Entführungen sind erfunden und führen auf Datenbetrugsseiten

Immer wieder tauchen vermeintliche Entführungen in den sozialen Medien auf. Manchmal können Hinweise dabei tatsächlich bei der Aufklärung helfen. Zurzeit kursieren auf Facebook allerdings Fälle, die die Hilfsbereitschaft von Menschen ausnutzen. In Facebook-Posts wird nach Hinweisen zu angeblichen Entführungen in Templin und Zwickau gesucht.

Bewertung

Diese Taten fanden nicht statt, die angeblichen Entführungen sind erfunden.

Fakten

Im Fall der angeblichen Entführung in Templin wird ein Artikel geteilt. Schaut man sich die Webseite mit der Behauptung an, fällt zuerst das Datum der angeblichen Entführung auf: Die Tat hätte demnach am 9. Dezember 2021 um 10 Uhr stattgefunden. Der Artikel war aber bereits vor diesem Zeitpunkt online, wie eine am 5. Dezember archivierte Fassung der Webseite beweist. Schon dadurch wird klar: Die Behauptung von einer Entführung in Templin ist falsch.

Die zuständige Polizei Brandenburg schrieb bereits Ende November von einer offensichtlich bewussten Falschmeldung mit demselben Inhalt.

Wie bei vielen Webseiten mit Falschbehauptungen fällt auch hier die Internetadresse ins Auge – sie lautet «weisestrasse4.casa». Auf der fast leeren Startseite finden sich auch nur zwei Ordner. Bei unseriös wirkenden Webseiten sollte man grundsätzlich nicht unbedacht auf Links klicken – vor allem nicht, wenn man zur Eingabe persönlicher Daten aufgefordert wird.

Ähnlich verhält es sich mit der angeblichen Entführung in Zwickau. Wer den Link auf Facebook teilt, sieht als Vorschaubild einen Ausschnitt aus einem Spielfilm über Kindesentführungen. Dieser Film wurde bereits im Jahr 2019 veröffentlicht. Das verwendete Bild kann also keine Entführung aus dem Jahr 2021 zeigen.

Klickt man darauf, wird man auf eine Seite mit dem Logo von Facebook weitergeleitet, auf der man sein Alter angeben soll. Dies ist jedoch eine Fälschung, wie man an der URL «speichern-958ws.bar/artikel7287/entfuhrtes-kind-beim-einkaufen/?mm=Zwickau» erkennt. Ändert man den Ort in der URL, so ändert sich auch der Ortsname auf der Seite (Beispiel).

Auch wenn die angeblichen Entführungen in verschiedenen Städten abgelaufen sein sollen, steckt dahinter also das gleiche Motiv. Polizei und Verbraucherzentralen warnen davor, bei dubiosen Internetseiten die eigene E-Mail-Adresse oder sonstige persönliche Daten weiterzugeben, auch weil diese Daten verkauft werden können. In der Vergangenheit hat die Deutsche Presse-Agentur schon häufiger auf derartige Betrugsmaschen hingewiesen.

(Stand: 7.12.2021)

Links

Facebook-Post mit angeblicher Entführung in Templin (archiviert)

Facebook-Post mit angeblicher Entführung in Zwickau (archiviert)

Artikel über angebliche Entführung in Templin (archiviert)

Archivierter Artikel über angebliche Entführung in Templin vom 5.12.2021

Polizei Brandenburg zur angeblichen Entführung in Templin (archiviert)

Archivierte Startseite der Internetseite

Spielfilm über Kindesentführungen auf YouTube (archiviertes Vorschaubild)

Archivierte gefälschte Facebook-Loginseite

Informationen der Polizei zu Phishing (archiviert)

Verbraucherzentrale Niedersachsen zu Phishing im Internet (archiviert)


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